Mainzer Sparda-Preis an Bildhauer Karl Prantl

Carola Krug-Haselbach im Wiesbadener Tagblatt, 04.05.2007
MAINZ. Binnen eines halben Jahres nahm ein wunderbarer, älterer Herr gleich zwei Mal die Strapazen einer langen Reise nach Mainz auf sich: Der österreichische Steinbildhauer Karl Prantl (geboren 1923 im burgenländischen Pöttsching) erhielt im November den Sparda-Bank-Preis 2006/07 für besondere Leistungen der Kunst im öffentlichen Raum und nahm nun den Preis im offiziellen Kreis, versammelt im Forster Saal des Kurfürstlichen Schlosses, entgegen: Die Reihe der Festredner war gebührend lang, gleichwohl mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank, Ilmar Schichtel, beginnend, in keiner Weise langweiliger Natur.

Mit weißem Schopf saß der Geehrte in erster Reihe; etwas zusammen gesunken, doch nicht ohne die feine Würde eines Mannes, der viel erlebt, zu sich gefunden und eine allseits verständliche Mitteilungsform gefunden hat. Zum fünften Mal, seit 1993/94, wird der mittlerweile mit 70000 Euro dotierte, inklusive Publikation und Ausstellung aber bei mehr als 100000 Euro angesiedelte, Preis nunmehr alle zwei Jahre von der Sparda-Bank verliehen. Darüber hinaus ist der Ankauf eines Steines des Bildhauers vorgesehen, der im öffentlichen Raum in Mainz seinen Platz finden wird.

Jo Enzweiler, Leiter des mit der Bank-Stiftung „Kunst, Kultur und Soziales“ kooperierenden Instituts für aktuelle Kunst im Saarland (Saarlouis), selbst Künstler und mit Prantl seit mehr als 30 Jahren befreundet, wies auf die hohe Transparenz des Sparda-Bank-Preises hin: Ein Kuratorium beruft Sachverständige, diese wiederum schlagen Künstler vor, welche sich um den Preis bewerben und im günstigsten Fall von der Jury zum Preisträger erwählt werden. Kriterien seien die Bedeutsamkeit der Arbeiten im sozialen Kontext, erläuterte der Institutsleiter.

Das umfassende und fast schon unfassbare (Lebens-) Werk des vielfach gewürdigten Karl Prantl lässt sich für Mainzer – zumindest im Ansatz – in der Ausstellung erahnen, die bis zum 14. Juni in der Sparda-Bank (Rhabanusstraße 1) kleine Arbeiten des Österreichers zeigt. Und doch: „Frei werden. Frei denken“, das sind die grundlegenden Gedanken Prantls, den die Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu religiös und politisch ambitionierten Aktionen mit Öffentlichkeitswirkung getrieben haben. In der Enge des Ateliers kleine Steine nach ästhetischen Aspekten zu bearbeiten – das war auf Dauer nicht seine Sache. Hinaus, hinaus in die Heimat der Steine gleichsam. Und Prantls glühender Wunsch, Steine mögen nicht nur Gräber schmücken, hinterlässt beim sensiblen Zuhörer einen Schleier der Schwermut.

und noch ein Artikel im Kunstforum

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~ von artstage - Mai 5, 2007.

2 Antworten to “Mainzer Sparda-Preis an Bildhauer Karl Prantl”

  1. […] persönliche, Anmerkung am Rande: Im Mai 2007 erhielt Karl Prantl den “Mainzer Sparda-Bank-Preis” in Deutschland, einen der höchstdotierten Künstlerpeise überhaupt: mit 70.000 Euro dotiert, […]

  2. Ach was kann ich nur tun, damit man mich auch einen „wunderbaren, alten“ Mann nennt 🙂 ? Sonst habe ich nur das ernüchternde Lateinische im Sinn: Amplexus senis puella culta fugit.

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