zum 80er: Gerhard Rühm’s Stein am Hügel

Am 12. Februar 2010 feiert Gerhard Rühm seinen 80. Geburtstag. Er ist wohl einer der vielseitigsten Künstler in Österreich: Komponist, Schriftsteller, bildender Künstler – und seit 25. Jänner dieses Jahres Ehrendoktor der Universität Köln.

Was das alles mit dem Bildhauersymposion zu tun hat? Ganz einfach: einer der von Karl Prantl meist geschätzten Steine am Symposionshügel wurde von Gerhard Rühm im Sinne seiner „konkreten Poesie“ hier in St.Margarethen behauen – und ist auch einer jener Steine, die seit meiner Kindheit meine Phantasie anregen. Und ganz gewiß nicht nur meine! Es ist ein Stein mit der Inschrift „Innen eilt ein Mann“.

Gerhard Rühm, fotos: ©artstage

Zu diesem Stein erzählte mir Karl Prantl eine – jetzt – amüsante Anekdote: Als er nach Jahren Auslandstätigkeit wieder auf den Symposionshügel ging, suchte Karl Prantl verzweifelt den Stein von Gerhard Rühm, der während seiner Abwesenheit scheinbar verschwunden war.
Klein ist der Stein ja nicht wirklich und in seiner Form ebenfalls unverwechselbar. Endlich fand er den Stein, der in Prantls Abwesenheit von einigen, die sich des Kunstwerkes nicht bewußt waren, als „Sockel“ für eine andere Skulptur verwendet wurde!?!
Man kann sich die Empörung des Symposionsgründers lebhaft vorstellen, wenn man seinen Kampfgeist kennt! – und seine Erleichterung!


Gerhard Rühm, Foto aus dem Buch von ©Katharina Prantl „Gehen über den Hügel“

Gerhard Rühm zieht in seinem Werk als Grenzüberschreitender mannigfaltige und tabufreie Verbindungslinien zwischen den Künsten. Musik, bildende Kunst, Literatur und ihre Elemente Klang, Sprache, Zeichnung, Foto, Schrift, Übermalung dazu Aktion sind bei ihm Bausteine auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Rühm: „wo sollte es weitergehen, wenn nicht bei den sogenannten endpunkten”. Werkgruppen seiner „intermedialen Arbeit“ nennen sich z.B.  „Auditive Poesie”, „Visuelle Musik” oder „Visuelle Poesie”.

Rühm wurde 1930 in Wien geboren, studierte Klavier und Komposition u.a. bei Josef Matthias Hauer, war Mitbegründer der „Wiener Gruppe” mit Friedrich Achleitner, H.C. Artmann, Konrad Bayer und Oswald Wiener (um 1954-1964), deren radikale Sprachexperimente zu den wichtigsten literarischen Entwicklungen der Zeit nach 1945 zählten. Rühm lehrte 1972-1995 als Professor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, war auf der Documenta 6 und 8 in Kassel vertreten und 1997 mit der „Wiener Gruppe” an der Biennale in Venedig. Rühm wurde 1991 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. Er lebt in Köln und Wien.


Gerhard Rühm | Ohne Titel | Collage/Bleistift auf Karton | 20,8 x 29,7 cm | 2009 | © G.Rühm

In seiner aktuellen Ausstellung „Sichtwechsel” in der Galerie Altnöder (Szbg.) bildet Erotisches einen thematischen Schwerpunkt. Rühm zerschneidet Fotos, collagiert, setzt die Vorlagen in Zeichnung fort, ergänzt mit Schrift, wobei für Rühm das einfühlsame experimentelle Gestalten eine wesentliche Rolle spielt. Spiel mit Tabus, mit Material und Techniken, auch Humor und Zeitkritik belegen Rühms breit angelegte und nahezu unerschöpfliche Kreativität.

Hörbeispiel:

Gerhard Rühm \“Komplex 10\“, Phonetische Poesie

Video „Falco liest Gerhard Rühm: Hör du Süße“:

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~ von artstage - Februar 4, 2010.

2 Antworten to “zum 80er: Gerhard Rühm’s Stein am Hügel”

  1. Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.

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