Der Ort

Der Steinbruch – der Hügel – das Naturschutzgebiet – der Ort St. Margarethen – das Bildhauer-Haus

DER STEINBRUCH

Der Kalksandstein im „Römersteinbruch“ von St. Margarethen, der nach wie vor von einer Steinbruch-Betreiberfirma abgebaut wird, zählt zu den Leithakalken (20-30 Millionen Jahre) und ist durch Lagunenablagerungen wie Muscheln, Korallen und Knollaugen geprägt. Das Ruster Hügelland, in welchem sich der Steinbruch befindet, lag vor 14 Mio. Jahren im Bereich eines Meeres, das bis ins Wiener Becken reichte. Schon vor 2000 Jahren wurde mit dem Kalksandstein die Römersiedlung „Carnuntum“ gebaut. Spätere imageträchtige Referenzen: die Ringstraßenbauten in Wien, der Stephansdom (wo auch heute noch die Ausbesserungs- bzw. Renovierungsarbeiten mit diesem Stein erfolgen), die Albertina, Schloss Schönbrunn, u.v.a.m.
Gustav Hummel, zum Zeitpunkt der Symposionsgründung Betreiber der Steinabbruchfirma, unterstüzte das Symposion mit Material, Transport und die Mithilfe seiner Steinmetze
(Anm.: Eine Steinmetzer-Zunft in St. Margarethen existierte bereits im Jahre 1653 ).

„….Was ich unmittelbar, nur am Rande Beteiligter, für Ihre ureigenste Mission beitragen kann, werde ich gerne und soweit es meine Mittel gestatten, freudig dem Symposion auch weiterhin zur Verfügung stellen…“ (Auszug aus einem Brief Gustav Hummel’s am 24.12.1965 an den Vorstand des Symposions anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied)

ST.MARGARETHEN – Passionsspiele, Opernfestspiele, Weinbaugemeinde

Eingebettet in die natürliche Schönheit des Ruster Hügellandes, im traditionsreichsten Weinbaugebiet des Burgenlandes liegt die Gemeinde Sankt Margarethen: in einer Landschaft mit unverwechselbarem Charakter, gastfreundlich und offen. Kultur- und Naturdenkmäler zeugen von einer bewegten Vergangenheit, deren unverfälschter Wert von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde.

Auf Anregung des Symposiongründers Karl Prantl bei einer Hochzeitsgesellschaft in St. Margarethen finden die Passionsspiele von St. Margarethen – welche bis dahin in einem Bauerngehöft stattfanden – seit 1961 im Römersteinburch statt, und zwar alle 5 Jahre!
Nutznießer dieser genialen künstlerischen Vision sind nachfolgend auch die Opernfestspiele St. Margarethen, welche auf der gleichen Bühne stattfinden – wie ursprünglich von Karl Prantl den damals noch skeptischen St. Margarethnern („..und was ist, wenn’s regnet?..“ „…bauen wir doch ein Passionsspielhaus…“) nachdrücklich vorgeführt! – Aber auch diese historische Tatsache ist im Ort der Vergessenheit anheim gefallen und es kursieren viele falsche Ideen über den Römersteinbruch als Festspielort.
(Anm.: Dies scheint bei vielen künstlerischen Visionen so zu sein: zuerst angefeindet, dann unter Protest durchgeführt, in die eigene Geschichte integriert – später wird über den Künstler der Mantel des Schweigens gelegt und viele kleine bürgerliche „Visionäre“ nehmen die Idee für sich in Anspruch!)

DER HÜGEL unter Naturschutz

Seit meiner Kindheit weiß ich, dass der Hügel, auf dem nun die Skulpturen Zeugnis ablegen von den vergangenen Symposien unter Naturschutz steht. Leider ist es mir nicht gelungen, auch nur einen diesbezüglichen wissenschaftlichen Link im Internet zu finden. Bewusst möchte ich hier keinen Tourismus-Link einfügen, da dieser sensible Ort für mich eher in den Kategorien „Natur“, „Kunst“ und eventuell „meditativ“ einzuordnen ist.
Im Wandel der Jahreszeiten offenbart sich auf dem Hügel ein Fundus seltener Pflanzen in all seiner Pracht und es ist höchst erfreulich, wie sensibel auch die vielen Besucher mit der Landschaft umgehen: man benützt die Naturwege und achtet inzwischen – es hat Jahre gedauert – sehr, der Natur keinen Schaden zuzufügen.

nature

Wilde Krokusse, Kuhschellen, Smaragdeidechsen – die Natur auf dem „naturgeschützten“ Symposionshügel ist ähnlich spannend wie die Kunst
…..obige Bilder entstanden im April 2007

Das Bildhauerhaus, Architekt: Johann Georg Gsteu, erbaut 1962-1968

Die Ruine einer Kantine für Steinbrucharbeiter wurde in der Szenerie des Steinbruchs von St. Margarethen.als geeignetes Ausgangsobjekt gefunden, um daraus Unterkünfte für Bildhauer zu schaffen.
Für den fast klösterlichen Bau, der nur aus einem Gemeinschaftsraum mit Küche und acht Schlafzellen besteht, wurde das vorhandene Sandsteinmauerwerk (mit darunterliegendem Keller) entsprechend korrigiert und ergänzt. Darüber wurde aus Beton-Fertigteilen (U-Träger) ein weit auskragendes Dach gelegt.
Der ungebrochene Reiz des Baus besteht bis heute in der sichtbaren Dialektik zwischen handwerklichem und industriellem Verfahren, die auch hier in einem besonderen Maße die Komponente der Zeit sichtbar machen. Die einfache Verglasung, die dünnen, kleinteiligen Eisenfenster, aber auch die gegenläufige Kragkonstruktion im Gemeinschaftsraum und die damit verbundene Raumgliederung schufen eine Atmosphäre von Werkstatt, Kantine und Refektorium in einem, einen geborgenen Unterstand im extremen Klima des Steinbruchs. Das Haus dient heute dem Verein „Symposion europäischer Bildhauer“.

ausschnitt.jpg

„blühende“ Kunst:
Bildausschnitt aus dem „Tisch“ von Karl Prantl,
stand früher vor dem Symposionshaus, heute auf dem privaten Skulpturenfeld von Karl Prantl in Pöttsching


Eine Antwort to “Der Ort”

  1. Die St. Margarethner hatten das „Glück“, dass ihre Steinbrüche nicht im Besitz des Stiftes Heiligenkreuz waren und 1913 an den Militärärar verkauft wurden, wie es in Kaisersteinbruch der Fall war. Sie konnten sich frei entfalten und schöpferische Energien entwickeln, während dort ein Kriegsgefangenenlager für bis zu 70.000 Soldaten entstanden war mit einem Lagerfriedhof für ca. 10.000 tote sowjetische Soldaten – und sich heute als Folge ein Truppenübungsplatz befindet.
    Den Segen dieses „Glücks“ können sie nunmehr in vollen Zügen genießen.

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